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Schweizer Grenzeinkaufsverbot: Warum viele Schweizer auch langfristig auf heimische Einzelhändler setzen wollen

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Durch die Covid-19 Krise hat sich vieles geändert, nicht zuletzt unser Einkaufsverhalten. Um Ressourcen zu schonen und Personal anderweitig einsetzen zu können, erlegt die Schweizer Regierung Grenzeinkäufern aus der Schweiz hohe Geldbußen auf, sollten sie die Grenze überqueren, um in Deutschland einkaufen zu gehen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich durch dieses Verbot das Einkaufsverhalten der Schweizer wohl langfristig ändert. Die Studienautoren Dr. Tobias Maria Günter und Kerstin Wiesner erklären, welche Maßnahmen Schweizer Einzelhändler treffen können, um den Kunden das lokale Einkaufen schmackhaft zu machen.

Tobias, Kerstin, was habt Ihr in der Simon-Kucher Studie im Februar 2021 untersucht?

Tobias: Wir haben eine Onlineumfrage unter mehr als 1.000 Konsumenten in der Schweiz zum Thema „Grenzeinkaufsverhalten von Schweizern in Deutschland“ durchgeführt. Das Ergebnis: Das Verhalten der Grenzeinkäufer hat sich verändert – was Auswirkungen auf den Schweizer sowie den deutschen Handel hat.

Wie sah der Hintergrund zu dieser Studie aus?

Kerstin: Der Schweizer Handel verliert jedes Jahr umgerechnet rund 7,4 Milliarden Euro an seine Nachbarländer. Durch den ersten Lockdown im Frühling 2020 konnten knapp 1,8 Milliarden Euro davon im Schweizer Handel verbucht werden.

Welche Auswirkungen, positive wie auch negative, hat das Grenzeinkaufsverbot für die Lebensmitteleinzelhändler in der Schweiz und in Deutschland?

Kerstin: Besonders freuen kann sich hier die Migros, eine der größten Detailhandelsunternehmen der Schweiz. Von den regelmäßigen Grenzeinkäufern gaben 32 Prozent an, dass sie nun häufiger bei Migros sowie bei den Discountern Lidl mit 24 Prozent und Aldi mit 23 Prozent, einkaufen gehen. Auch wollen 18 Prozent selbst nach der Aufhebung des Grenzeinkaufsverbots weniger bzw. gar keine Grenzeinkäufe mehr tätigen.

Tobias: Weniger gut lief es hingegen für die deutsche Drogeriemarktkette dm, die sonst eine der beliebtesten Anlaufstellen für Grenzeinkäufer war. Sie konnte seit dem Grenzeinkaufsverbot im Dezember deutlich weniger Schweizer Kunden begrüßen, ebenso wie Edeka und Kaufland.

Was haben Schweizer Verbraucher seit dem Verbot der Grenzeinkäufe bei Lebensmitteleinkäufen in der Schweiz zu schätzen gelernt?

Tobias: Mit 43 Prozent gibt fast die Hälfte der Befragten die enorme Zeitersparnis als größten Vorteil an. Ebenso schätzen viele die regionale Herkunft der Produkte sowie lokale Spezialitäten und Loyalitätsprogramme der Schweizer Händler.

Kerstin: Interessant ist auch, dass die Zahlungsbereitschaft für Bio-Ware und Produkte mit besseren Tierhaltungsstandards höher ist: 29 Prozent sagen, sie wären bereit, dafür mehr zu bezahlen.

Was empfehlen Sie Schweizer Einzelhändlern, um Verbraucher auch nach der Aufhebung des Grenzeinkaufsverbots nachhaltig an sich zu binden?

Kerstin: Sie sollten das Einkaufsverhalten kennen: Welche Warengruppen sind die beliebtesten? Wann sind die meisten Kunden im Laden? Was spricht die Kunden besonders an? Das heißt konkret: Die Hauptgrenzeinkaufstage für Grenzeinkäufer waren bislang immer Freitag und Samstag, und zu den am stärksten nachgefragten Warengruppen zählen vor allem Hygiene und Kosmetikartikel, Fleisch, Wurst und Fisch sowie Wasch-, Reinigungs- und Putzmittel. Wieso also nicht an genau diesen Tagen gezielte Aktionen für diese Produktkategorien anbieten? Ebenso sollten sie Produkte, die durch verbesserte Tierhaltungsstandards, eine regionale Herkunft oder strengere Bio-Richtlinien hervorstechen, aktiv und konsequent als solche bewerben, um so die erhöhte Zahlungsbereitschaft optimal abzuschöpfen. Zudem empfehlen wir, das Preiseinstiegssortiment auszubauen, um auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Kundengruppen einzugehen.

Tobias: Außerdem kommt es jetzt darauf an, vorhandene Daten aus Kundenkarten intensiv für individuelle Angebote auszuwerten. Denn Händler, die keine Kundenkarten anbieten, sind nicht zukunftsfähig aufgestellt.

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